Liebe
 

Abendleben

Dienstag, 10. Februar 2009



Anita hatte wieder ihr
Stunde des Wohlseins.


Wohl, von der Scheitel bis
zur Zehe.


Kein Sollen, kein
Wollen und kein Müssen.


Sie sass im Bienenhaus





an ihrem alten Flügel,

umgeben von einer halben Million
Zuhörer.
Kein Husten, nur das leise Rauschen



des nahen Baches.
Die nahen Hügel
sangen mit,


die fernen Berge auch


und alle Bäume
ringsum.


Eine Mozartsonate, dann Improvisation,


nur ihre Musik, ihr Atem,
ihr Gesang,


von aussen nach Innen und
von Innen


wieder nach aussen.



Nach ihrem Konzert


sass sie noch lange vor
dem Flügel


lauschte dem Gesang der
Zuhörer


auch tausende Blumen,


Bäume und Vögel


lauschten dem Gesang.


Erst in der Dämmerung


als ihre Bienen alle zu
Hause waren


verliess sie ihren
Konzertsaal.





Wäre ich ein Mann


würde ich


in allen Situationen


erst einmal


zu denken versuchen.


Das Fühlen


kann vorher


und nachher sein.


Bei mir ist das Empfinden
zuerst


und Sekunden danach


schaltet sich das denken
ein.


Wenn dann das denken


alles zerzaust, analysiert


und neu geordnet hat


ist Freude da.


Dann bin ich wie eine
Grille,


die ihre Freude


in den Sommerabend


hinaus zirpt.


Werde ich an der Freude
gehindert,


können Schreie
ausbrechen,


Schreie, welche die Dunkelheit
spaltet.


Bin ich dann in den Spalt
der Dunkelheit gefallen,

suche ich vielleicht die Hand,


die mich einige Schritte
weiter führt.


Aber diese Hand gibt es
nicht,


so wie es vieles auch
nicht gibt,


das ich erdacht hatte.


Leben


kommt auf eine Weise wie
von selbst,


ohne mein Dazutun.


auch empfinden kommt von
selbst,


meine ich zu wissen.


Ich kann eine Menge auch
selbst


dazu tun,




Wenn ich diese Welt
ansehe,


wo jedes zweite
menschliche Wesen


in der negativen Seite der
karmischen Skala schwingt,


frage ich mich, was ich
hier noch zu suchen habe.


Jeder dritte Mann


sieht mich vielleicht als
eine attraktive Frau


aber ich möchte
keinem von denen nahe kommen.


Begehrt? Kann sein, aber
ich weiss davon nichts


und möchte es auch
nicht wissen.


Diese Kerle sehen nicht
einmal einen Käfer


der den Weg hastig
überquert,


wie sollen sie denn ,


    in all dem vielen dummen
    Lachen,
    die Traurigkeit meiner Seele sehen?

    Sie haben ein Leben lang
    Mauern um sich aufgebaut,

    darin gibt es keine
    einzige Ritze, wo sich ein winziges Blümchen Wurzeln bilden

    und sich in ihrer
    Schönheit entfalten konnte.

    Selbst wenn sich so ein
    Blümchen in einer möglichen Ritze hätte einnisten
    können,

    wäre es vom
    Mauerbauer nicht gesehen worden.