Abendleben
Anita hatte wieder ihr
Stunde des Wohlseins.
Wohl, von der Scheitel bis
zur Zehe.
Kein Sollen, kein
Wollen und kein Müssen.
Sie sass im Bienenhaus
an ihrem alten Flügel,
umgeben von einer halben Million
Zuhörer.
Kein Husten, nur das leise Rauschen
des nahen Baches.
Die nahen Hügel
sangen mit,
die fernen Berge auch
und alle Bäume
ringsum.
Eine Mozartsonate, dann Improvisation,
nur ihre Musik, ihr Atem,
ihr Gesang,
von aussen nach Innen und
von Innen
wieder nach aussen.
Nach ihrem Konzert
sass sie noch lange vor
dem Flügel
lauschte dem Gesang der
Zuhörer
auch tausende Blumen,
Bäume und Vögel
lauschten dem Gesang.
Erst in der Dämmerung
als ihre Bienen alle zu
Hause waren
verliess sie ihren
Konzertsaal.
Wäre ich ein Mann
würde ich
in allen Situationen
erst einmal
zu denken versuchen.
Das Fühlen
kann vorher
und nachher sein.
Bei mir ist das Empfinden
zuerst
und Sekunden danach
schaltet sich das denken
ein.
Wenn dann das denken
alles zerzaust, analysiert
und neu geordnet hat
ist Freude da.
Dann bin ich wie eine
Grille,
die ihre Freude
in den Sommerabend
hinaus zirpt.
Werde ich an der Freude
gehindert,
können Schreie
ausbrechen,
Schreie, welche die Dunkelheit
spaltet.
Bin ich dann in den Spalt
der Dunkelheit gefallen,
suche ich vielleicht die Hand,
die mich einige Schritte
weiter führt.
Aber diese Hand gibt es
nicht,
so wie es vieles auch
nicht gibt,
das ich erdacht hatte.
Leben
kommt auf eine Weise wie
von selbst,
ohne mein Dazutun.
auch empfinden kommt von
selbst,
meine ich zu wissen.
Ich kann eine Menge auch
selbst
dazu tun,
Wenn ich diese Welt
ansehe,
wo jedes zweite
menschliche Wesen
in der negativen Seite der
karmischen Skala schwingt,
frage ich mich, was ich
hier noch zu suchen habe.
Jeder dritte Mann
sieht mich vielleicht als
eine attraktive Frau
aber ich möchte
keinem von denen nahe kommen.
Begehrt? Kann sein, aber
ich weiss davon nichts
und möchte es auch
nicht wissen.
Diese Kerle sehen nicht
einmal einen Käfer
der den Weg hastig
überquert,
wie sollen sie denn ,
in all dem vielen dummen
Lachen,
die Traurigkeit meiner Seele sehen?
Sie haben ein Leben lang
Mauern um sich aufgebaut,
darin gibt es keine
einzige Ritze, wo sich ein winziges Blümchen Wurzeln bilden
und sich in ihrer
Schönheit entfalten konnte.
Selbst wenn sich so ein
Blümchen in einer möglichen Ritze hätte einnisten
können,
wäre es vom
Mauerbauer nicht gesehen worden.